Petimus scholam ut litteras discamus

Selbstgesteuertes Lernen als Gunter/Hacker/Mensch/Digitales Wesen

Gunter bringen sich alles selber bei, sie sind die wahren Autodidakten im digitalen Raum. Für Wade Watts spielt die Schule zwar eine zentrale Rolle, sogar in mehrerlei Hinsicht, aber nicht so, wie die Schule es sich vermutlich wünschen würde oder geplant hätte. Aber, von vorne:

Im Buch ist Wade arm. Seine einzige Möglichkeit ist Bildung denn die gibt es frei verfügbar in der OASIS, was im krassen Gegensatz zur derzeitigen Realität steht, in der Bildung weiterhin eine Schere darstellt und gerade Weiterbildung nach dem Matthäusprinzip verteilt wird. Den Zugang zur OASIS haben in dieser Zukunft sogar die Ärmsten der Armen. Auch hier sind nicht alle gleich. Die technische Ausrüstung ist durchaus sehr unterschiedlich und reicht von der einfachen Brille bis zur Vollkörperausrüstung. Halliday, der Schöpfer der digitalen Welt, hat es also so eingerichtet, dass in der OASIS (Schul)Bildung und alle Informationen frei zugänglich sind. Dabei spielt die Schule bzw. der Unterricht für Wade eine untergeordnete Rolle und bietet letztlich auch nur einen Impuls für Wades Eingebung die ihn im Rätsel weiterbringt. Aber er ist nicht der erste, der auf die Idee kommt. Woher Art3mis die Idee hat wird allerdings nicht aufgeklärt, im Zweifel ist sie von alleine darauf gekommen.

Was die Situation für Wade so besonders macht, ist die starke und klare Zielvorgabe, die gleichzeitig in einem vollkommen unübersichtlichen Feld ist, da es keinerlei Anhaltspunkte gibt. Dabei ist das Ziel, das Erbe Hallidays zu gewinnen indem alle Eastereggs geknackt werden sehr groß und dient damit als Motivator.

„Zielrepräsentationen sind die zentrale Orientierungsgröße für die Handlungssteuerung.“(Wiese 2008, S. 154)

Welche Rolle spielt also die Schule und nicht? Wades Lieblingsfach ist „Advanced OASIS“, was den Geschichtsunterricht der digitalen Parallelwelt darstellt. Der Stellenwert ist unbestreitbar hoch, für den einzelnen schon und für die Armen ganz besonders obwohl auch Wade nicht den Eindruck macht über die Schule hinaus eine Lukrative Tätigkeit zu erlangen aber dies wird vom Dasein als Gunter eh verdrängt. Also noch ein Ziel und ein starkes Motiv die Schule zu nutzen. Allerdings ist es nicht der systematische Unterricht, der Wade auf die Idee bringt, sondern seine eigenen Schlüsse sind es, in denen zweierlei Lernbereiche eine zentrale Rolle einnnehmen. Zum einen die Schule, mit Ihren gerade beschriebenen Fächern und der guten Zugänglichkeit, als formalisierter Unterricht und zum Anderen, die eigenen Aktivitäten von Wade, zusammen mti dem Almanach von Haliday.

Ready Player One ersinnt eine Zukunft, in der die Digitalisierung so umfassend ist, dass der Mensch darin völlig eintaucht. Heute hingegen ist dieser Zustand noch problematisch bis umstritten, jedenfalls erscheint er für den Menschen im parasitär zu sein und die Menschen abzulenken. In der Schule ist dies nicht anders als im Beruf. Lässt sich ja an jeder Ecke nachlesen. Nicht, dass es dort Erfahrungen gäbe. Zudem ist es auch so lebensumspannend, dass der Schulunterricht sich selbst auf die OASIS bezieht und nicht so sehr auf die tatsächliche Realität der Menschen, die im Buch für die Menschen nicht gerade gut aussieht.

In seinen eigenen Bemühungen entscheidet Wade selber mit welchem Thema er sich beschäftigt, welches Medium er dazu nutzt – wobei das im Metamedium OASIS natürlich immer digital ist – wie lange und wie intensiv er es nutzt und wie tief er letztlich in eine Materie eintaucht. Notizen verwaltet er natürlich online, digital. Er hat es aber vor allem selber in der Hand. Auch während seiner Schulzeit taucht er teilweise lieber in die eigenen Projekte ab, was ihm auch dort Schwierigkeiten bringt. Aber er kann seinen Avatar so einstellen, dass es nicht auffällt, wenn er mit anderen Dingen beschäftigt ist. Letztlich führt eine Kombination aus verschiedenen lernstrategischen Bestandteilen zu seiner Eingebung und seinem Sieg. Er wiederholt traininghaft die wichtigsten Videospiele permanent und trainiert sie ein. Zudem versucht er die Losen Informationen die Ihm zur Verfügung stehen über Elaborationsstrategien zusammen zu bringen, bis es dann doch tatsächlich über eine Information, aus der Schule zusammengefügt oder zumindest getriggert wird. Ausgerechnet im Lateinunterricht, der ad hoc gar nichts mit der OASIS zu tun hat. Durch die Wiederholung, des Wortes durch die Lehrerin gerät Wade ins Denken und hat schließlich die alles verändernde Idee. Also finden sich hier alle Variablen wieder, Fremdsteuerung, Selbststeuerung, wiederholen, elaborieren, und zeigen, dass die Kombination aus allem einen nachhaltigen Lernprozess ausmachen.

Ganz im Gegensatz zu den Guntern hat Wade aber eine weitere Komponente. Er will dieses Rätsel lösen. Seine Volition ist also groß und aus ihm selbst heraus generiert. Die Gunter hingegen sind Arbeiter, die es nur für einen abstrakten finanziellen Anreiz tun. Sie sind nicht schlecht, aber eine Komponente fehlt ihnen mindestens.

 

Literatur:

Wiese, B. (2008). Selbstmanagement in Arbeits- und Berufsleben. Zeitschrift für Personalpsychologie, 7(4), 153–169

Titelbild: CC0 – by szfphy

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